Im Altonaer MAhLZEIT bedienen Obdachlose die Gäste

Es ist Mittagszeit bei „Mahlzeit“, einer Tagesaufenthaltsstätte für Obdachlose in Altona. In dem großen hellen Saal mit den Grünpflanzen und einem Kreuz an der Wand riecht es nach deftigem Essen. Einige Männer sitzen zum Speisen schon an den Vierer-Tischen. Andere stehen noch geduldig an der Essenausgabe. Heute gibt es Kartoffelpüree, Schweinebauch und Blumenkohl. Während Dieter (70) und Chris (27) das Essen auffüllen, sorgt Ulli (56) in der Küche für den Abwasch. Sie arbeiten ehrenamtlich für die obdachlosen Gäste der Tagesaufenthaltsstätte. Sie wissen, wie es den Besuchern geht, denn sie waren selber lange obdachlos.

„Bei uns arbeiten zehn ehemalige und einige aktuell Obdachlose mit“, sagt Marion Sachs (47). Sie leitet die Einrichtung, die viermal in der Woche von 9 bis 15 Uhr geöffnet ist. Zu ihrem Team gehören noch eine Praktikantin, ein Zivi, drei ehrenamtlich engagierte Frauen und ein Koch. Die obdachlosen Freiwilligen helfen in der Küche und bei der Essenausgabe, sorgen für saubere Räume und verwalten die Kleiderkammer. „Das klappt sehr gut, die Mitarbeiter sind pünktlich und die Räume sind viel sauberer als früher“, sagt Marion Sachs.

Vor sechs Jahren übernahm sie die Leitung der Tagesstätte und führte die regelmäßige Mitarbeit von Gästen ein. „Die Maßnahme spart nicht nur Kosten ein, sondern sorgt vor allem für ein größeres Miteinander unter den Besuchern“, sagt Marion Sachs. Dass das gelingt, kann Eduard Nieseck (51) bestätigen. Er half schon in seiner Zeit als Wohnungsloser in der Einrichtung mit, inzwischen hat er als Koch eine feste Stelle mit 20 Stunden in der Woche. „Mich sprechen häufig Leute an, die Probleme haben, etwa mit Behörden“, sagt der gelernte Mechaniker.

So finden die Betroffenen in der Tagesstätte über das Essen hinaus Verständnis für ihre Lage und können etwas Gemeinschaft erleben, die sie sonst nicht haben. „Viele sind sehr einsam“, sagt Ulli, der fünf Jahre lang „Platte“ machte und inzwischen eine Wohnung hat. In all der Zeit kam er regelmäßig zum Arbeiten in die Tagesaufenthaltsstätte und resümiert: „Ich bin gern hier, es ist wie mein zweites Zuhause.“

Von Ann-Britt Petersen

Quelle: Hamburger Abendblatt
http://www.abendblatt.de/ratgeber/extra-journal/article107556981/Mahlzeit-hier-bedienen-Obdachlose.html

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